Beat Meier

September 22, 2020

Seit 1993 ist Beat Meier in Haft.

Die Vorgeschichte finden Sie hier unter folgenden Dokumenten.

Zeitleiste

Zum heutigen Tag: Eine Erinnerung an den Beginn meiner Justiz-Odyssee

Oktober 16, 2020

Liebe Freunde, liebe UnterstĂŒtzerinnen und UnterstĂŒtzer

Heute ist Freitag, der 16. Oktober 2020. Vor genau 30 Jahren begann das Ende unserer damals sich gerade so richtig zu festigen begonnene neue Familie. Doch das ahnten wir damals noch nicht, wie denn, wo wir damals doch noch mindestens ein gewisses Grundvertrauen in die Justiz hierzulande hegten.

Der heutige Tag vor 30 Jahren markierte den Beginn einer Verfolgung, einer veritablen Odyssee, deren Ausmass, Methoden und Dauer wir uns damals noch lange gar nicht hÀtten vorstellen können. Und die wir im Grunde alle bis heute nicht fassen können.

Es begann mit einer Schlagzeile in der ‘Blick’-Zeitung, die mir der Ă€lteste der drei schulpflichti- gen Kinder am frĂŒhen Morgen unter meine schlaftrunkenen Augen hielt.

Darauf blickte mir mein eigenes Gesicht entgegen, unverfremded, mit einer fetten Schlagzeile darunter: «Schweizer kauft DDR-Buben fĂŒr Pornos!», gefolgt von meinem vollen Namen.

Am Tag zuvor bis in die Abendstunden hatten wir unsere noch spĂ€rlichen Möbel und den ĂŒbrigen Hausrat in unsere erste gemeinsame Wohnung geschafft. Nachdem die Zimmer fĂŒr die beiden jĂŒngeren Buben und jenes fĂŒr den Ältesten, sowie die KĂŒche provisorisch, eingerichtet waren, assen wir gemeinsam etwas zu Abend. Dann gingen die Buben schlafen, mĂŒde von ihrer tatkrĂ€f- tigen Mithilfe beim Umzug tagsĂŒber.

Bis in die frĂŒhen Morgenstunden hatte ich weiter am Einrichten der Wohnung und meinem kĂŒnf- tigen BĂŒro gearbeitet. Die Mutter der Buben weilte fĂŒr diese Tage mit dem einen ihrer beiden erwachsenen Söhnen bei ihrem Ältesten in Dresden in ihrer bislang gemeinsamen Wohnung dort. Sie war schwanger und sollte so dem Rummel entfliehen können um sich zu schonen. Der zweitĂ€lteste, gerade erst aus der damals letzten DDR-Rekrutenschule entlassen, war im Laufe des Sommers mit seiner Mutter und den jĂŒngeren Kindern zusammen zu mir in die Schweiz gezogen.

Der Älteste hatte zusammen mit seiner Verlobten die bisherige, preisgĂŒnstige Wohnung in Dres- den ĂŒbernommen. Er und seine ZukĂŒnftige hatten sich nicht von seiner Mutters Bedenken beeindrucken lassen. Sie hatte ein mögliches Eingreifen der Sowjetunion befĂŒrchtet, mit dem Ziel, die Wiedervereinigung der beiden Deutschlande doch noch zu unterbinden.

Ich hatte erst etwa zwei oder drei Stunden auf einem provisorischen Nachtlager im BĂŒro geschlafen. Als ich mir nun die Augen rieb, und der Älteste der drei schulpflichtigen Buben der- weil eine Seite der ‚Blick’-Zeitung umblĂ€tterte, um mir die Fortsetzung des Artikels zur Schlag- zeile zu zeigen, traute ich meinen Augen nicht: er und seine jĂŒngeren BrĂŒder waren dort eben- falls abgelichtet, mit einem winzigen Balken ĂŒber den Augen. Und versehen mit Ihren richtigen Vornamen.

Ich stand auf und zog mich rasch an. Er habe oben im Schlafzimmer gehört, dass jemand an der WohnungstĂŒr geklopft habe, sei runter gekommen um aufzumachen und habe dann aber nur die am Boden liegende Zeitung gesehen (spĂ€ter erfuhren wir, dass ein Freund aus dem Ort sie auf seinem Weg zur Arbeit dahin gelegt hatte).

In einem kleinen Bild, auch auf der Frontseite, war der FrĂŒhrentner namens Helmuth Lill, wohn- haft in Deutschland, abgebildet. Seine Augen waren auch abgedeckt. GemĂ€ss Artikel hatte er diese Story gegenĂŒber dem ‘Blick’-Reporter Viktor Dammann aufgetischt. Ausgeheckt, wie so vieles mehr wie sich noch herausstellen wĂŒrde, an seiner Schreibmaschine in einer baufĂ€lligen Sozialwohnung in einem kleinen Dorf nördlich von Ulm.

Die meisten von Euch wissen lĂ€ngst, wer dieser FrĂŒhrentner ist — oder war, denn er lebt wohl nicht mehr; er war damals meines Wissens schon 60 oder mehr.

Er hatte die genannte Frau und ihre Kinder in der DDR ĂŒber eine Annonce kennengelernt, Monate zuvor schon, und bisher einzig Briefe mit ihr ausgetauscht. Was inzwischen lĂ€ngs erwie- sen ist, auch gerichtlich notorisch bekannt: Er hatte diesen Kontakt in nachgerade verbrecheri- schen Absichten aufgebaut. Den mit der Familie in der DDR, aber auch den schon viel lĂ€nger bestehenden, wenngleich eher losen Briefkontakt mit mir.

Mich hatte er damals, Ende MĂ€rz 1990, darum gebeten, ihn zu seinem ersten persönlichen Tref- fen mit der Frau zu begleiten, bzw. ihn mit meinem Wagen hin und wieder zurĂŒck zu fahren. Seit langer Zeit stand er mit meiner damals in der Schweiz betriebenen Beratungsstelle fĂŒr sexuelle Randgruppen in gelegentlichem Briefkontakt. Einer von vielen, zumeist intellektuellen Briefkon- takten, vor allem in der Schweiz, vereinzelt aber auch in Holland (wo ich nach meiner RĂŒckkehr aus Australien lĂ€ngere Zeit gelebt hatte) und mit der Zeit noch in anderen Schweizer Nachbar- lĂ€ndern. Zumeist waren dies gelehrte Menschen mit akademischer Bildung (ich selbst konnte bekanntlich lediglich auf eine sehr reduzierte Grundschulung in meiner Heim- und Verdingkind- Jugendzeit zurĂŒckblicken). Solche Briefpartner unterstĂŒtzten mich fĂŒr mein Projekt mit RatschlĂ€- gen und nicht selten auch mit ihren eigenen Fachschriften und solchen von Dritten.

Derjenige Briefkontakt, um den es hier ging, namens Helmuth Lill, beherrschte mehrere Spra- chen. Er zeigte sich Ă€usserst ĂŒberzeugend als progressiver, gesellschaftskritischer, aber auch sozialpolitisch interessierter Intellektueller in seinen Briefen. Im Laufe der vorangegangenen Jahre hatte er sich mir gegenĂŒber, wĂ€hrend ich in einer schweren Lebensphase steckte, als (vermeintlich) sehr empathischer, hilfreicher ‘Freund’ gegeben. DafĂŒr schwor ich ihm damals nachhaltige Dankbarkeit.

Und genau darauf berief er sich nun, als er jemanden suchte, der ihn bei seinem ersten Rendez- Vous in der DDR begleiten wĂŒrde. Und eben, um ihn hin- und dann wieder zurĂŒck zu fahren, da er als FrĂŒhrentner sich keine Fahrkarte wĂŒrde leisten können. Er möchte fĂŒr sich wieder eine Familie, da er sich so einsam fĂŒhle in seiner ‘’Klause’ in dem kleinen Kaff in Baden-WĂŒrttemberg. Das konnte ich ihm gut nachfĂŒhlen. Und er hoffe, dass ich ihm eine StĂŒtze sein könnte beim Kennenlernen der Frau, da er fĂŒrchte, sie könnte ihm aufgrund seines Alters und da er ja nicht gerade wie ein Romeo aussĂ€he, gleich wieder die TĂŒr weisen. Er bat mich, ein gutes Wort fĂŒr ihn einzulegen.

Das Treffen fand statt, wir unterhielten uns zu viert die erste Stunde nach dem Eintreffen (die Mutter der Buben, ihr Ă€ltester Sohn, damals meines Wissens 21, Helmuth und ich). Dann bat ich, mich nebenan etwas auszuruhen, da ich seit ĂŒber 24 Stunden nicht geschlafen hatte. Der FrĂŒhrentner Helmuth Lill hatte auf fast der ganzen Fahrt auf dem Liegesitz neben mir geschnarcht.

Ich schlief dann auch bis gegen Abend, als wir dann alle auswĂ€rts zu Abend essen gingen. Ich hatte dazu eingeladen. Der FrĂŒhrentner hatte so gut wie kein Geld dabei, wĂ€hrend ich von dem damals fĂŒr Menschen aus dem Westen sehr hohen Wechselkurs hatte profitieren können (fĂŒr 1 SFR mehr als 10 Ostmark).

Gleich nach dem Abendessen verabschieden sich Helmuth Lill und ich von der Familie. Als Nicht-DDR-BĂŒrger hatten wir damals noch, um ein Visa zu bekommen fĂŒr Fahrten ins Hinterland der DDR, also ĂŒber die Ostberliner Stadtgrenze hinaus, schon im Voraus eine Hotel- zimmerreservation vorweisen mĂŒssen. Und dahin gingen wir nun, um vor der RĂŒckfahrt nach Baden-WĂŒrttemberg am nĂ€chsten Morgen fit zu sein.

Leider werden sich erst Monate spĂ€ter ganz andere Seiten dieses FrĂŒhrentners offenbaren. AnlĂ€sslich eines dank einem wohlhabenden alten Freund in der Schweiz uns allen ermöglichten Sommerurlaubs in einem kleinen Bergchalet, entpuppte sich der deutsche FrĂŒhrentner als zunehmend rĂŒpelhaft, ja bald einmal nachgerade ‘ungeniessbar’ in seinem Umgang mit der Mutter der Kinder, aber bald auch mit Letzteren. Auch mich behandelte er plötzlich alles andere als respektvoll, weit davon entfernt, als wie ich es aus seinen Briefen und im Grunde auch noch von der Fahrt in die DDR und zurĂŒck gewohnt gewesen war. Es war inzwischen auch klar geworden, dass er ein Alkoholiker war, einer allerdings, der Ă€usserlich nie betrunken wirkte, egal wieviel Bier er intus hatte.

Es kam schon vor Ablauf der ersten Urlaubswoche zum Eklat, die Frau wollte entweder ihn weg- haben, oder sie breche mit ihren Kindern die Ferien ab und lasse sich von mir zurĂŒck nach ihrem Wohnort in der DDR fahren. In einem langen spĂ€tabendlichen GesprĂ€ch versuchte ich den Mann zu ĂŒberzeugen, dass es wohl unumgĂ€nglich sei, dass er vorzeitig zu sich nach Deutschland zurĂŒckkehre. Ich zeigte mich bereit, ihm die Reisekosten vorzuschiessen.

Erstaunlicherweise zeigte er sich, trotz der vielen Dosen Bier, die er dabei trank, einsichtig und meinte nur noch, die Frau sei halt ein bisschen dĂŒnnhĂ€utig. Es sei klar, dass die Familie den Urlaub zu ende geniessen sollen könne. Er nehme mein Angebot an, ihm die Fahrkarte vorzu- schiessen. Bevor wir uns dann trennten, verlangte er von mir noch ‘ein paar hundert Mark’. Denn er kriege erst in zwei Wochen wieder seine Rente ausbezahlt und habe ja nichts Bares mehr. Wovon sollte er denn zuhause in der Zeit leben? Er habe eben damit gerechnet, ĂŒber die Zeit des Urlaubs, wo wir Kost und Logis offeriert bekommen hatten, kein Geld zu benötigen und habe sein Geld deshalb schon ausgegeben. Ich gab ihm dann, meiner Erinnerung nach, 200 SFR, womit er sich zufrieden gab.

Seither nĂ€herte sich die Frau aus der DDR sehr rasch und Ă€usserst gewinnend an mich an. Sie schrieb mir Liebesbriefe und ich antwortete zwar freundlich, aber zurĂŒckhaltend. Ich hĂ€tte mir mit all den von mir hierzulande betreuten Klienten meiner Beratungsstelle und meinem Verant- wortungsgefĂŒhl diesen gegenĂŒber keine Familienbildung vorstellen können und erklĂ€rte dies der Frau auch. Doch sie und auch alle ihre fĂŒnf Söhne zeigten sich sehr enthusiastisch hinsichtlich einer Konstellation zwischen ihnen allen und mir. Und die Frau tat alles, um mich zu umgarnen. «Die Kinder sind regelrecht aufgeblĂŒht, seit sie dich kennen, wie umgedrehte Handschuhe. Wir alle haben dich ins Herz geschlossen.»

Nach einem halben Leben ohne Dazugehörigkeit zu einer Familie, was ich ja schon als Kind so schmerzlich vermisst hatte, schmolz ich nun auch dahin wie Butter an der Sonne. Wir verlobten uns und alsbald zog die Familie zu mir in die Schweiz, wo wir anfangs noch provisorisch und preisgĂŒnstig in geliehenen RĂ€umen hausten. Es war Teil einer fĂŒr deren EigentĂŒmer seit dem Ableben seiner Eltern fĂŒr sich alleine viel zu grossen Wohnung. Wir feierten Verlobung und plan- ten die Heirat auf den 7. Dezember des Jahres.

Das nĂ€chste Mal, wann ich; wann wir alle, nach jener Trennung im Sommerurlaub in den Ber- gen, wieder vom FrĂŒhrentner Helmuth Lill etwas hören wĂŒrden, das war an eben jenem schick- salhaften 16. Oktober 1990, heute vor 30 Jahren.

Die drei Buben, dreizehn-, zehn- und sieben-jĂ€hrig, wurden noch am selben Tag des Erschei- nens des eingangs beschriebenen Hetzartikels im ‘Blick’ von einer ausgebildeten Sozialarbeite- rin der ZĂŒrcher Justiz einzeln befragt. Sie wird spĂ€ter zusammenfassend schreiben, «Die Kinder haben einen entspannten, ruhigen Eindruck gemacht und erklĂ€rt, dass die Zeitungsgeschichte gelogen sei und sie keinerlei sexuellen Handlungen ausgesetzt worden seien».

Nach der RĂŒckkehr meiner Verlobten, der Mutter der Kinder, musste ich von ihr, hier kurz zusammengefasst, folgendes hören: «Dieser Helmuth Lill, der dichtet dir nun, aus Rache dafĂŒr, dass ich ihn damals abblitzen liess, in der Zeitung genau das an, was er in Wahrheit selber von mir wollte, damals im MĂ€rz, als ihr mich besucht habt. WĂ€hrend du nebenan geschlafen hast, hat er mir vorgeschlagen, ihm manchmal an Wochenenden und schulfreien Tagen und in den Schulferien meine Buben zur VerfĂŒgung zu stellen. Er kenne viele wohlhabende alleinstehende MĂ€nner, welche viel Geld dafĂŒr bezahlen wĂŒrden, um mit den Buben alleine zusammen sein zu können….» Sie fuhr fort, dass er ihr auf ihre Fragen, was dann die Buben da tun sollten, einige vage Hinweise gegeben habe. Und, dass er mit ihr «den Gewinn daraus Fifty-Fifty teilen» wĂŒrde. Da sei ihr dann klar geworden, worum es da gehen wĂŒrde. Und: Sie habe ihm dann natĂŒrlich empört eine Abfuhr erteilt.

Auf meine ziemlich entgeisterte Frage, weshalb um Himmels Willen sie mir denn davon nie ein Wort gesagt oder geschrieben habe, nach jenem ersten Treffen nicht und auch im Sommerur- laub nicht, wo sie ja zumindest anfangs keinerlei Abneigung dagegen gezeigt habe, dass der Mann auch mit eingeladen war?!

Das erklĂ€rte sie mit ihrer Angst, mich dann auch abzuschrecken, sie hĂ€tte gedacht, der Helmuth Lill und ich wĂ€ren Freunde. Und sie hĂ€tte sich eben schon bei jenem ersten Treffen in mich ver- guckt. Sie habe aber schon gedacht, dass ich nichts von solchen Ansinnen des Helmuth Lill gewusst habe, denn er habe ja nur unter vier Augen mit ihr darĂŒber gesprochen wĂ€hrend ich im Nebenzimmer schlief. Und die ganze Zeit ĂŒber, seit sie und ihre Kinder mit mir zusammen seien, sei ich doch immer sehr gut zu ihr gewesen und hĂ€tte ja auch ganz normalen liebevollen Umgang mit den Kindern gepflegt und dass diese mich ja sehr lieb gewonnen hĂ€tten.

Der 16. Oktober 1990 hatte nur den Anfang einer darauf folgenden jahrelangen Hetzkampagne dieses FrĂŒhrentners aus Ulm markiert. Seine LĂŒgenstorys wurden fortan immer dreister, Ă€nder- ten sich zudem in immer grauenvollere Behauptungen ĂŒber mich, wie auch ĂŒber meine zwi- schenzeitlich angeheiratete Frau. Er schrieb Briefe um Briefe, an die Justiz unseres Wohnkan- tons, die er verhöhnte, sie sei «unfĂ€hig, so einen wie diesen Meier hinter Schloss und Riegel zu stecken». Und an diverse Lokalzeitungen, an Polizeidienststellen, und an die Gemeindeverwal- tung. Solches schickte er auch an gleiche Amtsstellen der Gemeinde des Wohnorts meines Vaters, den wir jedes zweite Wochenende aufsuchten, um ihm die Wohnung zu putzen und seine Kleider zu waschen.

Über die folgenden zweieinhalb Jahre fĂŒhrte dies zu ungezĂ€hlten Befragungen der drei Kinder und in der Folge auch von den anderen Familienmitgliedern, von Bekannten, LehrerInnen, Nachbarn etc.. Dies mehrmals durch Polizeidienststellen lokaler Bezirke und durch die Kantons- polizei verschiedener Schweizer Kantone – je nach Zielort von Briefen dieses Mannes, bzw. je nach Ausgabeort von Zeitungen, die er mit seinen Hetzschriften bediente. Auch von derJu- gendanwaltschaft hierzulande und schliesslich in Ulm in Deutschland vor Gericht wurden wir befragt. Aufgrund von Vorladungen mussten wir nĂ€mlich alle anreisen und wurden vom Richter persönlich befragt. Das Gericht verhandelte dort ĂŒber Anklagen gegen Helmuth Lill, der wegen Vermittlung von Kindern zum Zwecke sexuellen Missbrauchs angeklagt war.

Alle geladenen Zeugen, inklusive die ebenfalls einzeln durch den Richter befragten Kinder, bekrÀftigten, dass es nie irgendwelche unlauteren Handlungen oder Absichten von meiner Seite gegeben habe. Dennoch klangen die Fragen des Richters, jene an mich zumindest

(bei den Befragungen der anderen Zeugen durfte Ich nicht anwesend sein), vielmehr So, als ob ich der Angeklagte wÀre.

Dabei erfuhren wir auch ĂŒber eine Reihe von Vorstrafen wegen ebensolcher frĂŒherer Verbre- chen des Helmuth Lill. Zudem war er auch vorbestraft wegen körperlicher Misshandlungen und Vergewaltigung einer frĂŒheren Stieftochter.

Auch ‚Blick’ und diverse deutsche BoulevardblĂ€tter berichteten weiterhin und mit der Zeit schaffte er es auch in deutsche TV-Sendungen wie ‚Stern-TV’, ‘Brisant’ und dergleichen.

Dann, am 13. Februar 1993, anlĂ€sslich eines Aufenthaltes der drei Buben auf deren Wunsch bei mir wĂ€hrend ihrer FrĂŒhlings-Schulferien, wurden wir bei einem Besuch einer in Paris lebenden gemeinsamen Schweizer Bekannten verhaftet.

Meine Frau und ich hatten uns voneinander auf meinen Rat im FrĂŒhjahr 1992 vorĂŒbergehend getrennt, damit sie und ihre Kinder (inzwischen war ja ein weiteres dazugekommen) zur Ruhe kĂ€men vor den immer aggressiveren polizeilichen ÜberfĂ€llen jeweils frĂŒhmorgens. Dabei hatten schon mehrmals Polizisten die Kinder gleich eigenhĂ€ndig aus ihrem Schlaf gerissen, um sie abzufĂŒhren und stundenlang zu befragen.

Ich war ja Jeweils stets wieder aus vorĂŒbergehender Polizei- und einmal auch aus lĂ€ngerer Untersuchungshaft entlassen worden, da keine der unzĂ€hligen Befragungen jemals etwas Belastendes gegen mich ergab. «Entlassung wegen fehlendem Tatverdacht» (Haftrichter im Januar 1992). Gegen meine Ausreise sprach rechtlich nichts, da mir keinerlei Auflagen auferlegt worden waren.

Andererseits war das Verfahren nur suspendiert, Jedoch nicht eingestellt worden. Daher gab ich gegenĂŒber der Schweizer Untersuchungsbehörden stets transparent ĂŒber meine Reisen und Aufenthaltsorte Bescheid und blieb bei Bedarf auch fĂŒr sie erreichbar. So wusste die damalige Untersuchungsrichterin ĂŒber unseren vorĂŒbergehenden Aufenthaltsort in Paris Bescheid.

Sie sandte nun offensichtlich den Pariser Polizeibehörden einen Fax, worin sie mich als «Inter- national im Kinderhandel tĂ€tigen Schwerverbrecher auf der Flucht» bezeichnete und meinen Aufenthaltsort bei der genannten Schweizerin dort bekanntgab. Von Flucht konnte, angesichts jeglicher fehlender Auflagen, sowie meiner jeweiligen An-, bzw. Abmeldungen bei den schweize- rischen Vertretungen im Ausland, in Wahrheit natĂŒrlich keine Rede sein.

Beweise fĂŒhrte sie denn auch keine an, es gab ja keine, ausser den lĂ€ngst in allen Medie bekannten, bisher von allen involvierten Zeugen widerlegten und auch sonst gĂ€nzlich unbewie- senen Behauptungen des deutschen FrĂŒhrentners Helmuth Lill.

Zudem war dieser Fax direkt an eine fremdlĂ€ndische Polizeidienststelle unter Umgehung des vorgeschriebenen Rechtshilfeweges getĂ€tigt worden, war also rechtswidrig. Damals gab es noch kein entsprechendes Abkommen zu vereinfachter Rechtshilfe zwischen Frankreich und der Schweiz (ein solches wĂŒrde ein paar Jahre spĂ€ter folgen).

Eine internationale Ausschreibung, etwa ĂŒber Interpol, hatte es nie gegeben; sie hĂ€tte so etwas nur erwirken können durch Vorlage von mindestens stichhaltig begrĂŒndetem Anfangsverdacht, und solche GrĂŒnde gab es keine.

Nicht verwunderlich durfte mein Pariser Pflichtverteidiger zwar diesen Fax einsehen, aber nur im BĂŒro der Untersuchungsrichterin. Und er bekam keine Kopie und durfte sich beim Lesen auch keine Notizen machen. Bei einem Besuch bei mir in der Untersuchungshaftanstalt «La Sante» in Paris (wo ich bis im Juni 1996 bleiben musste) fasste er aus dem GedĂ€chtnis den Fax-Text rudi- mentĂ€r zusammen. Die Verteidigung, weder in Paris noch spĂ€ter in der Schweiz, erhielt also nie Einblick.

Aktenkundig ist bekanntlich auch die von den Buben und deren Mutter bestĂ€tigten psychischen Misshandlungen der Kinder durch die Pariser Polizei. Man hatte den Kindern gedroht, sie wĂŒr- den nie mehr zu ihrer Mutter zurĂŒckkehren dĂŒrfen, wenn sie es nicht endlich ‘’zugĂ€ben’. Das, was mir vorgeworfen wurde (nach wie vor einzig durch den FrĂŒhrentner Helmuth Lill).

Ihrer Mutter gegenĂŒber, als diese von unserer Verhaftung erfuhr und dann nach Paris reiste, behaupteten die Polzisten, dass die VorwĂŒrfe gegen mich ‘lĂ€ngst hieb- und stichfest medizinisch bewiesen’ seien.

Tatsache ist, dass die drei Buben (damals 15 1⁄2, knapp 13 und knapp 10, unmittelbar nach unse- rer Verhaftung frĂŒhmorgens am 13.02.1993 im entsprechenden Institut des berĂŒhmten Pariser Spitals «Hötel Dieu» gerichtsforensisch-medizinisch untersucht wurden. Dies erstmals und auch letztmals. Und dass diese Untersuchungen «keinerlei Hinweise, Anzeichen, Beweise oder Spu- ren von Missbrauch irgendwelcher Art» ergaben. Also das Gegenteil dessen, was die Polizei der Mutter aufgetischt hatte.

Seit der Verhaftung in Paris hatte ich keinen Kontakt zu meiner Familie, durfte es auch nicht. Nachdem die inzwischen erwachsenen Söhne meiner Frau, lange nach meiner Überstellung in die Schweiz, im Jahr 2003 vor Obergericht von sich aus und aus freien StĂŒcken aussagten, dass sie damals in Paris von der Polizei unter massivem Druck zur Bejahung aller ihrer Fragen gesetzt worden seien, wurde ich dennoch verurteilt. Zu gut vier Jahren Haft und, weil nicht gestĂ€ndig, als «uneinsichtig» und daher «untherapierbar» eingestuft und somit, ohne Enddatum, sicherungsverwanhrt.

Und so werde ich wohl, nach dem erklĂ€rten Willen nicht nur der Vollzugsbehörden und der ZĂŒr- cher Justiz, sondern auch nach dem öffentlich schon mehrfach propagierten Willen populisti- scher Tonangeber in Politik und in hohen Ämtern, weiterhin jahraus, jahrein, voraussichtlich bis zu meinem Tod hinter Schloss und Riegel bleiben. Also wohl noch eine weitere, ungewisse Anzahl Jahre ĂŒber die bisherigen 30 seit Beginn meiner Verfolgung hinaus.

Ich denke, es ist höchste Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Einen Kampf gegen die lĂ€ngst, vor lauter SelbstgefĂ€lligkeit und Machttrunkenheit, fĂŒr die Wahrheit unempfĂ€nglich gewordenen Jus- tizverantwortlichen, welche sogar ein forensisches gerichtspsychiatrisches Gutachten durch einen der wohl berĂŒhmtesten Professoren des Faches ĂŒberhaupt missachtet! Ein Gutachten das keine Rechtfertigung meiner Verwahrung sieht, weiter fĂŒhren zu wollen, mit deren Rechtsmitteln; das ist wohl lĂ€ngst — wenn es dies nicht schon von Anfang an war — reinste Kraftvergeudung.

Ich will, auch wenn ich alleine da wohl kaum viel zu bewegen vermag, wenigstens versuchen, einen kleinen Teil der Öffentlichkeit mit Schriften zum Nachdenken zu bewegen in der Zeit die mir noch bleibt.

Mit lieben, immer dankbaren GrĂŒssen an Alle! Beat Meier

Brief an die Hauptversammlung 2017 des Fördervereins

FĂŒr die Hauptversammlung des Fördervereins „Fair-wahrt?“ schreibt er einen Kommentar aus dem GefĂ€ngnis.

Noch ist nicht alle Hoffnung verloren –
vielleicht gibt es doch noch eine Zukunft…

Interview mit Frau Boos

FĂŒr ein Interview mit Frau Boos von der WOZ beschreibt er vorgĂ€ngig den GefĂ€ngnisalltag in der JVA Pöschwies.

Ablehnung der Beschwerden

Inzwischen sind sÀmtliche Beschwerden der engagierten Juristen
gegen die Verurteilung abgelehnt worden.

Beat Meier hat zusammen mit Mitverwahrten die Aktion „Fair-wahrt?“ gegrĂŒndet,
welche sich fĂŒr eine faire Verwahrung einsetzt.

Komitee GrĂŒndung Durch Familie

Januar 1, 2005

2005 grĂŒnden Freunde und Bekannte (nicht aus der PĂ€dophilenszene!)
ein Komitee, das Beat Meier mit Hilfe juristischen Beistands zur Freiheit bringen soll.

Kindheit und Jugend als Heim- und Verdingkind aus zerrĂŒtterter Ehe