Rundbrief 11

June 18, 2017

Liebe, treue und mutige Freunde und Unterst├╝tzerinnen,

Sehr geehrte Damen und Herren

Bitte entschuldigt die Wartezeit auf diesen Brief, den ich nun ausnahmsweise wieder einmal als gleichlautenden Rundbrief verfasse, um Euch nun m├Âglichst alle ohne weiteren Verzug anzuschreiben.

Seit dem Artikel in der NZZ f├╝hle ich mich wie innerlich erstarrt. Seither und erst recht seit ich am Mittwoch (14.06.) von Martin schon einen ganzen Stapel Ausdrucke von Mails nachgeschickt bekam, ganz zu schwelgen von den diversen m├╝ndlich ausgerichteten Gl├╝ckw├╝nschen und Solidarit├Ątsbekundungen, versuche ich mich irgendwie darauf zu konzentrieren, Antworten auf die vielen freundlichen, ermutigenden, ja, liebevollen Bekundungen zu verfassen. Es fiel mir anfangs schwer, auch nur einen vern├╝nftigen Satz hinzukriegen und ich ben├Âtige Pausen weit ├Âfter und l├Ąnger als gew├Âhnlich.

Langsam scheint es zu bessern. In den letzten vier oder f├╝nf Abenden bin ich mit einem mir wichtig scheinenden St├╝ck Arbeit anfangs nur sehr langsam vorangekommen, obwohl ich meist bis nach Mitternacht dran war – eben mit vielen Unterbr├╝chen. Gegen Schluss nun besserte sich meine Konzentrationsf├Ąhigkeit langsam etwas.

Da und dort hatte ich zwischendurch schon mal mit einer kurzen Kartenbotschaft reagiert. Gewiss h├Ątte ich vor allem Anderen Briefe schreiben sollen, einen habe ich schon hinbekommen, doch irgendwie habe ich mich in den erw├Ąhnten Bericht verbissen (der hier nun beiliegt), habe ihn heute abschliessen und gleich kopieren k├Ânnen. Viele unter Euch/Ihnen kennen wohl l├Ąngst zumindest das Meiste davon. Doch zusammen mit dem Artikel kann es ev. dennoch da und dort erhellend wirken.

Nach so vielen Jahren Unwahrheiten ln den Medien, von immer wieder hemmungslosen Hetz- und L├╝genstorys, von Ignorieren oder Abw├╝rgen jeglicher Gegenstimmen, von v├Âlliger Ignoranz gegen├╝ber selbst meinen Stiefs├Âhnen, weitestgehend auch ins Leere laufen lassen von Eingaben und Argumenten von doch auch sehr guten Anw├Ąlten vor den Gerichten – nun also endlich ├Âffentliche Wahrheit! Fast eine volle Seite davon und das ln einer Zeitung, die weltweit zur ‚Top-Liga‘ der seri├Âsen Bl├Ątter gez├Ąhlt wird! Es erscheint nun fast wie ein Wunder.

Es wirkte auf mich, obwohl ich seit kurzem schon wusste, dass da etwas Gutes kommen w├╝rde, wie eine Art Schock, einen wahnsinnig positiven nat├╝rlich, aber auch Angst lauert darin. Angst, dass das nun scheinbar zum Greifen Nahe von den M├Ąchtigen wieder weggenommen, die neue Hoffnung zerst├Ârt werden k├Ânnte…

Ich hatte geglaubt, das mit dem Artikel w├╝rde noch l├Ąngere Zeit dauern, w├Ąre auch noch nicht unbedingt sicher. Zumal es dann hiess, dass die NZZ-Journalistin erst noch f├╝r ein paar Wochen ferienhalber abwesend sein wurde.

Umso ├ťberraschter war ich dann, als mein Stiefsohn K. mir noch Mitte letzter Woche am Telefon gleich zu Beginn sagte: „Rate mal, wo ich gerade bin“. Ich: „Keine Ahnung; wo denn?“. Dann er leise: „Bei der NZZ!“. Und dann Frau H├╝rlimanns Stimme Uber K.s Handy, die sagte, dass der Artikel voraussichtlich „├╝bermorgen“, also am Samstag 10.6. k├Ąme.

Das war glaub’s nur etwa einen oder h├Âchstens zwei Tage nachdem ich RA Bernard Rambert informiert hatte, dass K., auf meine Nachfrage bei ihm, dem mir von B.R. ausgerichteten Wunsch der Journalistin, m├Âglichst auch mit ihm reden zu k├Ânnen, gerne nachkomme. Auch da wussten wir noch nicht, wann das sein wurde und ob ├╝berhaupt.

K. hatte mir zwar schon immer versichert, dass er f├╝r ├Âffentliche Aussagen jederzeit nur zu gerne bereit sei. In den ersten ein oder zwei Jahren nach dem Urteil von 2003 hatte er vergeblich diverse Versuche unternommen, bei Zeitungen Geh├Âr zu finden. Dennoch wollte ich ihn, musste dies wohl, da nun eine konkrete Anfrage gekommen war, nochmals fragen.

Beim ersten Lesen am Montag nach Erscheinen des Artikels im Besuchsraum – der schon lange feststand und wo mir die Besucher nun ein Ex. der Zeitung reinbringen durften – konnte ich kaum Tr├Ąnen der R├╝hrung verhindern, als ich K.s zitierten Worte las, aber gleichzeitig auch der Ohnmacht, wissend ob seines j├╝ngeren Bruders U. traurigem psychischen Zustand.

Man kann zwar noch nicht alle Zweifel hinsichtlich des Revisionsausgangs vom Tisch wischen; zuviel musste man erleben, wie unehrlich und schamlos rechtswidrig gewisse Justizverantwortliche – von einfachen Fallverantwort!ichen, ├╝ber Gutachter und Staatsanw├Ąlte bis hin zu Richtern – gehandelt hatten ├╝ber die vielen Jahre der „Strafuntersuchung“ und auch seither. Gewisse, teils heute noch in Amt und „W├╝rden“ stehende Beteiligte k├Ânnten vielleicht unberechenbar weit gehen, im Versuch, ‚Gesicht zu wahren‘.

Und selbst im besten Falle muss man vielleicht damit rechnen, dass die Justiz versuchen wird, mir die Schuld f├╝r den ‚Justizirrtum‘ in die Schuhe zu schieben, um so wenigstens um eine Entsch├Ądigung zu kommen.

Sollte mir aber eine Entsch├Ądigung zugesprochen werden, egal wie hoch diese w├Ąre: Ich w├╝rde sie in erster Linie zur R├╝ckzahlung von Schulden bei Geldgebern f├╝r Anwaltskosten etc. nutzen, und weiter unter all jenen aufteilen, die meinetwegen unter Nachteilen gelitten haben: vor allen Dingen nat├╝rlich meine Stiefs├Âhne und Alle meinetwegen in der Vergangenheit gemobbten, beleidigten, verletzten oder sonstwie unfair behandelten Freunde und guten, engagierten, mich stets und unbeirrt unterst├╝tzenden Mitmenschen.

Ich selber ben├Âtige im Grunde nur eines unverzichtbar: die Freiheit. Endlich.

Ich m├Âchte nun ja noch so einiges schreiben, aber diese Briefe sollen nun raschm├Âglichst auf die Post!
Euch/Ihnen allen w├╝nsche ich sch├Âne Sommertage, bestm├Âgliche Gesundheit und versichere Euch, einmal mehr, meiner zutiefst empfundenen Dankbarkeit!
Mit herzlichen Gr├╝ssen!

Beat Meier